Vor Ort in den Landkreisen
Welche Strukturwandel-Projekte im Mitteldeutschen Revier umgesetzt werden und welche Schwerpunkte die Landkreise setzen
Landkreise, Kommunen und kommunale Gesellschaften sind wesentliche Akteure für die Umsetzung des Strukturwandels über die Landessäule. Ihre Rolle umfasst:
- Projektentwicklung: Sie definieren Bedarfe, entwickeln Ideen und reichen Projekte ein.
- Vernetzung: Sie koordinieren lokale Akteure aus Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.
- Umsetzung: Nach Förderzusage sind sie für Bau, Abwicklung und Betrieb verantwortlich und daher maßgeblich für die konkrete Ausgestaltung von Projekten.

Wer sich zu einem Projekt im Strukturwandel einbringen oder genauer informieren will, findet die richtigen Ansprechpersonen daher häufig in der Kommune oder bei der Koordinierungsstelle des Landkreises.
Auf dieser Seite werfen wir einen Blick in die Teilregionen des Mitteldeutschen Reviers und schauen uns Beispielprojekte in allen Landkreisen an. Die Projektauswahl folgt keiner Wertung oder besonderen Sortierung, sondern soll vor allem die Bandbreite von Projekten illustrieren, die umgesetzt werden. Vollständige Projektübersichten gibt es auch auf den Websites der Bundesländer:
- Sachsen: https://sas-sachsen.de/de/projekte/projektkarte
- Sachsen-Anhalt: https://strukturwandel.sachsen-anhalt.de/strukturwandel/projektuebersicht
Die Landkreise im Überblick
Burgenlandkreis
Der Burgenlandkreis weist einen Branchenmix aus Industrie, Mittelstand und Handwerk auf. Er setzt im Strukturwandel unter anderem auf neue Ausbildungszentren für Fachkräfte und eine Stärkung des Tourismus. Zur Koordination des Wandels wurde früh eine eigene „Stabsstelle Strukturwandel“ geschaffen, seit 2025 gibt es die kreiseigene Strukturentwicklungs- und Wirtschaftsfördergesellschaft SEWIG.

Beispielprojekte sind:
- Bildungscampus Weißenfels: Das alte Kloster St. Claren soll denkmalgerecht saniert und modernisiert und zu einem „Bildungscampus“ mit Gymnasium, Volkshochschule und Musikschule ausgebaut werden.
- Grüne Fernwärme Hohenmölsen: In verschiedenen Teilprojekten wird das kommunale Fernwärmenetz unter anderem durch den Bau einer neuen Trasse, den Anschluss weiterer Ortsteile und die Errichtung eines Großwärmespeichers ausgebaut.
- Altes Rittergut Plotha: Das historische Rittergut soll denkmalgerecht saniert und zu einer modernen Bildungs- und Begegnungsstätte werden – perspektivisch zum Beispiel als zweiter Grundschulstandort der Einheitsgemeinde Teuchern.[1]
Landkreis Anhalt-Bitterfeld
Als Industrieregion mit Chemie- und Hightech-Tradition verfolgt Anhalt-Bitterfeld einen technologieorientierten Kurs im Strukturwandel. Gleichzeitig spielen ländliche Räume und soziale Infrastruktur eine Rolle, denn der Landkreis hat eine vielfältige Struktur. Schwerpunkte sind die Revitalisierung von Industrieflächen, der Ausbau von Bildungsinfrastruktur und die Entwicklung klimafreundlicher Quartiere.

Beispielprojekte sind:
- Familienzentrum Kleinpaschleben: Als Teil der Initiative „Neues Europäisches Bauhaus“ wird eine alte Schule zu einem Familienzentrum mit Natur- und Bewegungskita, Seniorenbegegnungsstätte und Heimatmuseum umgebaut.
- Industriepark Köthen-Süd: An der Bundesstraße 6n entsteht ein „grünes Gewerbegebiet“, das auf erneuerbare Energie und klimaschonende Umsetzungsprozesse ausgelegt sein soll, um attraktiv für zukunftsfähige Unternehmen zu sein.
- Entwicklung eines Kompetenzzentrums für Recycling: Das Zentrum in Weißandt-Gölzau soll als Wissens- und Transferplattform dienen und den Landkreis zur Modellregion der zirkulären Kunststoffwirtschaft machen.[2]
Landkreis Leipzig
Der Landkreis Leipzig verbindet aktive und ehemalige Bergbaugebiete mit wachsenden Gemeinden rund um Leipzig. Er verfolgt im Strukturwandel unter anderem die Entwicklung neuer Gewerbeflächen und die touristische Erschließung des Leipziger Neuseenlands. Der Kreis hat, vertreten durch den Landrat, den Vorsitz im Regionalen Begleitausschuss und tritt damit als Sprecher für die Interessen des Reviers in Erscheinung.

Beispielprojekte sind:
- Gewerbegebiet Sachsenpelz: „Brache der Zukunft“: Eine mit Schadstoffen belastete alte Industriebrache in Naunhof soll revitalisiert und zu einem modernen Gewerbegebiet entwickelt werden.
- Berufsfachschule für Pflegekräfte mit Betriebskindergarten: In Borna wird ein Berufsschulgebäude errichtet, in dem künftig rund 600 Auszubildende, Schülerinnen und Schüler sowie gut 100 Krippen- und Kita-Kinder Platz finden sollen.
- Stadt-Umland-Projekt „Gemeinsam am See“: In Großpösna am Störmthaler See entsteht ein inklusiver Campingplatz, auf dem behinderte Menschen sowohl barrierefrei Urlaub machen können als auch Arbeitsplätze finden sollen.[3]
Landkreis Mansfeld-Südharz
Als sehr ländlich geprägte Region steht Mansfeld-Südharz vor großen strukturellen Herausforderungen. Der Kreis sieht Zukunftsbranchen unter anderem in der Ernährungswirtschaft und der Automobilzulieferbranche. Wichtige Themen sind die Daseinsvorsorge, beispielsweise durch medizinische Versorgung und Mobilitätsangebote, sowie der Tourismus und die Aufwertung von Kultur und regionaler Identität.

Beispielprojekte im Landkreis sind:
- REGENT – Regionales Gesundheits- und Notfallzentrum: In Sangerhausen und Hettstedt entstehen zwei regionale Gesundheits- und Notfallzentren, in denen sich Rettungsdienste und ärztliche Praxen ansiedeln sollen.
- MOVE MSH – Mobilitätsstationen: In Dorfzentren des Landkreises sollen Stationen entstehen, die Mobilitätsangebote (wie Leihfahrräder) mit Angeboten der Nahversorgung (wie Paketstationen) verbinden.
- Neubau Industriestraße Amsdorf: Am Standort des Tagebaus Amsdorf sollen neue Geschäftsfelder erschlossen werden. Dafür ist ein Aus- und teilweise Neubau von Straßen geplant, um Firmen die Ansiedlung zu erleichtern.[4]
Landkreis Nordsachsen
Nordsachsen verbindet ländliche Räume und industriell geprägte Orte mit dem Umfeld der wachsenden Stadt Leipzig. Der Strukturwandel richtet sich neben Forschungs- und Innovationsprojekten auf regional etablierte Branchen wie die Glasindustrie. Außerdem liegt ein Schwerpunkt im Bereich innovativer und nachhaltiger Mobilitätskonzepte.

Beispielprojekte im Landkreis sind:
- GlasLAB Torgau: Um Fachkräfte in der Glasindustrie zu sichern, wird ein „Bildungs- und Innovationszentrum“ am Glas-Campus Torgau errichtet. Dort soll unter anderem die Verknüpfung von Ausbildung und Forschung gestärkt werden.
- FLASH – Autonomes Personentransportsystem: In einem Pilotprojekt in Rackwitz wurde ein fahrerloses Shuttle getestet. Die FLASH-Busse sollen Teil des regulären Nahverkehrs werden und die Anbindung kleinerer Orte an die S-Bahn verbessern.
- Touristischer Radwegeausbau: An acht verschiedenen Orten werden insgesamt 12 km Radwege ausgebaut, zum Beispiel die Verbindung von Oschatz und Großböhla. Neben dem Tourismus soll auch das Radfahren im Alltag attraktiver werden.[5]
Saalekreis
Mit einer ausgeprägten Chemieindustrie, guten Bedingungen als Logistikdrehkreuz und der Hochschule Merseburg als Forschungsstandort ist der Saalekreis die wirtschaftsstärkste Region in Sachsen-Anhalt. Im Strukturwandel sollen Industriestandorte ausgebaut und stärker auf Zukunftstechnologien ausgerichtet werden. Außerdem wird in Tourismus und Wohnqualität im Landkreis investiert.

Beispielprojekte sind:
- Stadtteil-Entwicklung Querfurt Nord: Das Quartier soll als Standort für Industrie und Gewerbe ausgebaut werden, inklusive eines Wohngebiets für arbeitsnahes Wohnen und Ausbau der Bahnverbindung für Güter- und Personenverkehr.
- Erweiterung des Chemieparks Leuna: Neben dem Chemiepark wird ein rund 200 Hektar großes Industriegebiet erschlossen. Geplant sind Ansiedelungen im Bereich Bioökonomie und Biochemie, von der Grundlagenforschung bis zur Anwendung.
- Goethe-Arkadien Bad Lauchstädt: Auf einem brachliegenden Industrieareal soll ein modernes Kultur-, Freizeit- und Gesundheitsquartier entstehen, inklusive Kita, Sportanlagen und Thermalbad.[6]
Stadt Halle (Saale)
Halle ist ein zentraler Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort im Revier. Lange war die Stadt vor allem ein Standort für die Chemieindustrie und den Maschinenbau. Seit der Wende gewinnen auch Mobilität und Logistik sowie Informations- und Biotechnologie an Bedeutung. Der Strukturwandel konzentriert sich hier auf urbane Innovation, Technologie, Digitalisierung und soziale Teilhabe.

Beispielprojekte sind:
- Revitalisierung des RAW-Geländes: Auf dem Gelände des ehemaligen Reichsbahnausbesserungswerks (RAW) entsteht ein neues Quartier. Dazu werden Altlasten beseitigt, Gebäude abgerissen oder gesichert und Straßen, Tunnel und Brücken gebaut.
- APA-Inklusionszentrum: Das Zentrum für inklusive Arbeitsmarktintegration soll Unterstützungsstrukturen und Übergänge in reguläre Beschäftigung für Menschen mit körperlicher, kognitiver oder psychischer Behinderung verbinden.
- Center for Sustainable Materials and Energy (CSME) auf dem Weinberg Campus: Ein neues Labor- und Bürogebäude mit High-Tech-Infrastruktur soll junge Technologieunternehmen in nachhaltigen Branchen unterstützen.[7]
Stadt Leipzig
Leipzig ist die größte und zugleich am stärksten wachsende Stadt der Region. Neben Automobil- und Maschinenbau prägen Kultur- und Kreativwirtschaft, Informations- und Kommunikationstechnologien sowie Energie- und Gesundheitswirtschaft das wirtschaftliche Profil. Der Strukturwandel in Leipzig setzt auf wissensbasierte Entwicklung, nachhaltige Mobilität, Digitalisierung und die Stärkung urbaner Lebensqualität.

Beispielprojekte sind:
- Gesundheitsakademie St. Georg: Die Berufsfachschule am Klinikstandort soll medizinisches Fachpersonal für die Region gewinnen. Dafür wird ein Bestandsgebäude saniert, außerdem ist ein Kompetenzzentrum für ausländische Fachkräfte geplant.
- Naturkundemuseum Leipzig: Das Naturkundemuseum erhält einen neuen, größeren Standort, für den ein erster Bauabschnitt umgesetzt wird. Im Strukturwandel soll das Museum junge Menschen für naturwissenschaftliche Berufe begeistern.
- Offenlegung des Elstermühlgrabens – Brücken: Der in den letzten Jahren offengelegte Elstermühlgraben soll zwei neue Brücken bekommen. Dies soll den Freizeitwert erhöhen und die Ansiedlung von Gewerbe entlang des Gewässers fördern.[8]
Weiterlesen: Wie funktioniert der Strukturwandel?
- Der Kohleausstieg in Deutschland
- Die Kohleregionen
- Strukturwandel-Förderung im Überblick
- Strukturwandel in Sachsen und Sachsen-Anhalt
- Vor Ort in den Landkreisen
- Großprojekte: Forschung, Verkehr und Behörden
- Förderprogramme des Bundes
- Fördermöglichkeiten für die Zivilgesellschaft
- Aktiv werden im Strukturwandel
- Links und Hinweise
Quellen
[1] Übersichtsseite zum Strukturwandel im Burgenlandkreis: https://strukturwandel.sachsen-anhalt.de/revier-entdecken/burgenlandkreis
[2] Übersichtsseite zum Strukturwandel im Landkreis Anhalt-Bitterfeld: https://strukturwandel.sachsen-anhalt.de/revier-entdecken/landkreis-anhalt-bitterfeld
[3] Übersichtsseite zum Strukturwandel im Landkreis Leipzig: https://www.landkreisleipzig.de/themenwelten/wirtschaft/strukturwandel
[4] Übersichtsseite zum Strukturwandel im Landkreis Mansfeld-Südharz: https://strukturwandel.sachsen-anhalt.de/revier-entdecken/landkreis-mansfeld-suedharz
[5] Übersichtsseite zum Strukturwandel im Landkreis Nordsachsen: https://www.landkreis-nordsachsen.de/themen/strukturwandel
[6] Übersichtsseite zum Strukturwandel im Saalekreis: https://strukturwandel.sachsen-anhalt.de/revier-entdecken/saalekreis
[7] Übersichtsseite zum Strukturwandel in der Stadt Halle (Saale): https://strukturwandel.sachsen-anhalt.de/revier-entdecken/stadt-halle-saale
[8] Übersichtsseite zum Strukturwandel in der Stadt Leipzig: https://www.leipzig.de/wirtschaft/mittelstand-staerken/mittelstandsfoerderprogramm/erfolgreicher-strukturwandel

Das Projekt „ZusammenWachsen – Engagiert im Revier“ wird gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie im Rahmen der Richtlinie “STARK – Stärkung der Transformationsdynamik und Aufbruch in den Revieren und an den Kohlekraftwerkstandorten”.

