Strukturwandel-Förderung im Überblick

Was sich hinter der „Landes- und Bundessäule“ verbirgt, welche Ziele die Förderung verfolgt und wie die Leitbilder der Kohleregionen aussehen

Diese Seite ist Teil unserer Einführung „Wie funktioniert der Strukturwandel?“ Hier geht es zu Übersicht und zur Broschüre als Download:

Auf dieser Seite schauen wir uns an, wie die Strukturwandel-Förderung für die Kohleregionen grundsätzlich aufgebaut ist und welche Ziele sie verfolgt.

Wichtigste Grundlage für die Informationen auf dieser Seite ist das Investitionsgesetz Kohleregionen (InvKG).[1] Dieses Gesetz legt fest, welche Region wie viel Geld erhält, wofür es einzusetzen ist und wie die Entscheidungsprozesse grundsätzlich aussehen sollen.

Entscheidend für das Verständnis des Gesetzes sind die zwei „Säulen“ der Förderung (auch „Arme“ genannt). Ein Teil der Mittel wird von Bundesministerien investiert, ein Teil wird den Ländern für eigene Projekte zur Verfügung gestellt. Ein gemeinsames Bund-Länder-Koordinierungsgremium begleitet die Umsetzung.

Die Ausrichtung der Projekte und die Entscheidungsabläufe unterscheiden sich stark je nach „Säule“:

Landessäule

Umfang:

Bis zu 14 Milliarden Euro, davon:

  • 43 % für die Lausitz
  • 37 % für das Rheinische Revier
  • 20 % für das Mitteldeutsche Revier

Vorgehen:

Die Länder geben sich eigene Leitbilder, Handlungsprogramme und Förderrichtlinien.Sie schaffen Strukturen, um vor Ort Projekte zu entwickeln und umzusetzen. Der Bund prüft, ob geplante Projekte den gesetzlichen Vorgaben entsprechen.

Fokus:

Die Projekte haben in der Regel einen kommunalen oder regionalen Fokus. Sie widmen sich der lokalen Wirtschaft und können auch (verhältnismäßig) kleinteilige Strukturen unterstützen.

Mögliche Projekte:

Zum Beispiel: Erschließung eines Gewerbegebietes, Sanierung eines Gebäudekomplexes, Ausbau eines Radweges zwischen zwei Gemeinden …

Bundessäule

Umfang:

Bis zu 26 Milliarden Euro. Die Verteilung ergibt sich aus den konkreten Projekten und folgt in der Praxis einer ähnlichen Gewichtung wie in der Landessäule.

Vorgehen:

Projekte werden zentral vom Bund geplant und umgesetzt, orientiert an den Leitbildern der Regionen und unter Einbezug des Bund-Länder-Koordinierungsgremiums, das Projekte prüft und beschließt. Die Länder wirken außerdem bei der praktischen Umsetzung vor Ort mit.

Fokus:

Die Projekte haben in der Regel einen überregionalen oder sogar bundesweiten Fokus. Es geht um Forschungsstandorte, Verkehrsinfrastruktur oder umfangreiche Netzwerkprojekte.

Mögliche Projekte:

Zum Beispiel: Errichtung eines Großforschungszentrums, Ausbau einer überregionalen Bahnverbindung, Ansiedelung einer bundesweiten Behörde …

Förderziele

Die Strukturwandel-Förderung über die Landessäule erfolgt laut Investitionsgesetz Kohleregionen (InvKG) „zum Ausgleich unterschiedlicher Wirtschaftskraft und zur Förderung des wirtschaftlichen Wachstums“. Für die Bundessäule gibt es keine vergleichbar einheitliche Zielformel, die grundsätzliche Ausrichtung auf eine wirtschaftliche Strukturstärkung ist aber ähnlich. Es gilt also: Der Kohleausstieg ist zwar klimapolitisch motiviert, die Förderung ist aber vor allem ein wirtschaftspolitisches Instrument.

Das Gesetz macht dennoch deutlich: Eine erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung ist auf Dauer nur möglich, wenn die Regionen ökonomisch, ökologisch und sozial nachhaltig werden. Geförderte Investitionen sollen deshalb stets im Einklang mit den Zielen der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie stehen.

Wirtschaftsförderung ist hier also in einem weiten Sinn zu verstehen und umfasst Bereiche wie die folgenden:

Ein Icon von einem Haus und einem Zahnrad, verbunden durch Pfeile

Stärkung der Wirtschaftsstruktur, etwa durch Förderung von Unternehmensansiedelungen

Ein Icon von einem Zug

Ausbau der Verkehrsinfrastruktur, also Straßen-, Schienen- und ÖPNV-Verbindungen

Ein Icon von einem Computer und einer Weltkugel

Ausbau digitaler Infrastruktur: flächendeckender Ausbau von Breitband-Internet und digitalen Diensten

Ein Icon eines Erlenmeyerkolbens

Förderung von Forschung und Wissenschaft: Stärkung von Forschungsstandorten zur Schaffung qualifizierter Arbeitsplätze und Entwicklung innovativer Technologien

Ein Icon von zwei Häusern voreinander

Stärkung von Daseinsvorsorge und Lebensqualität: Investitionen in Bildung, Kultur und Gesundheit für lebenswerte Regionen

Ein Icon von einem Globus mit einem Thermometer davor

Klimaschutzmaßnahmen: Unterstützung der Energie- und Wärmewende und des Klimaschutzes auf kommunaler Ebene

Ein Icon von einer hügeligen Landschaft mit Weg, Baum und Sonne

Landschafts- und Umweltmaßnahmen: naturbezogene Entwicklungsprojekte, ergänzend zur Rekultivierung der Bergbaufolgelandschaften

Ein Icon von einem Dokument mit Text

Stärkung von Verwaltungsstrukturen: Ausbau und Modernisierung der Planungs- und Genehmigungsinfrastruktur

Fokusthemen

Zwei Querschnittsthemen ziehen sich aus unserer Sicht durch alle genannten Bereich: Nachhaltigkeit und gute Arbeit. Auf diese beiden Themen gehen wir hier gesondert ein.

Nachhaltigkeit im Strukturwandel

Gute Arbeit im Strukturwandel

Regionale Leitbilder

Um die allgemeinen Ziele der Förderung auf die Bedingungen in den jeweiligen Kohleregionen zu übertragen, haben die betroffenen Bundesländer Leitbilder für die Reviere entwickelt. Darin sollte jeweils eine langfristige Vision für die Region festgehalten werden: Wo sieht sie ihre Stärken? Was sind Herausforderungen? Auf welche Branchen setzt sie in Zukunft?

Diese Leitbilder sind Bestandteil des Investitionsgesetzes Kohleregionen. Sie sind vor allem für die Umsetzung der Landessäule wichtig, sollen aber auch dem Bund bei seinen Projekten als Orientierung dienen. Wir fassen sie unten zusammen.

Mitteldeutsches Revier

Lausitzer Revier

Rheinisches Revier

Der Weg zur Umsetzung

Trotz unterschiedlicher Akzente verfolgen alle drei Reviere ähnliche Grundrichtungen: Sie wollen Energieregionen bleiben, setzen also stark auf erneuerbare Energien und Technologien wie grünen Wasserstoff. Sie wollen gute Mobilität und die Vernetzung von Stadt und Land fördern und sehen innovative Forschung als Schlüssel zum Erfolg. Und sie betonen: Wirtschaftlicher Erfolg braucht lebenswerte Regionen, in denen Menschen gerne zu Hause sind.

Erstellt haben die Reviere ihre Leitbilder durch mehr oder weniger umfangreiche Beteiligungsprozesse. Eingebunden waren institutionelle Akteure, Kommunen und regionale Organisationen; ergänzt wurde dies durch offene Dialog- und Onlineformate. Die Zivilgesellschaft konnte sich beteiligen, jedoch meist in einem allgemein beratenden Sinne. Die wesentlichen Entscheidungen lagen bei Landesregierungen und regionalen Steuerungsgremien.[8]

Wir als Bündnis StrukturWandeln denken mit Blick auf das Mitteldeutsche Revier: Mit dieser weitgefassten Vision lässt sich arbeiten – aber das Entscheidende passiert in der Umsetzung! Deswegen schauen wir uns in weiteren Teilen unserer Einführung die konkrete Ausgestaltung der Landes- und Bundessäule genauer an: Wo liegt der Fokus in der Praxis? Wie laufen Entscheidungsprozesse ab? Wie sieht es aus mit der zivilgesellschaftlichen Beteiligung? In der Logik des Strukturwandels gehen wir damit von der Ebene der Gesetze und Leitbilder stärker zu Handlungsprogrammen und Förderrichtlinien über.

Zusammengefasst: Was ist was? – vom Gesetz zur Förderung:

Gesetze

Leitbilder

Handlungsprogramme

Förderrichtlinien

Gesamteindruck zur Förderung

Wir haben auf dieser Seite den grundsätzlichen Aufbau und die Ziele der Strukturwandel-Förderung dargestellt. An anderer Stelle schauen wir uns vertieft die Umsetzung in Sachsen und Sachsen-Anhalt, konkrete Projekte in den Landkreisen sowie die Großprojekte des Bundes und seine Förderprogamme an. Einen Gesamteindruck fassen wir hier zusammen.

Grundsätzlich sehen wir in allen Bereichen: Der Strukturwandel ist ein weites Feld, in dem auf unterschiedlichen Wegen eine Vielzahl von Projekten umgesetzt wird.

Ein Bild einer Person, die vor einem komplizierten Prozessdiagramm steht

Die Landessäule der Förderung hat zunächst recht enge Rahmenbedingungen: Ihr Fokus liegt auf Investitionen in wirtschaftsnahe Infrastruktur und sie beschränkt den Kreis der Projektträger weitgehend auf den öffentlichen Sektor. Bei vielen Projekten geht es um den Neubau oder die Sanierung von Gebäuden, die Erschließung von Gewerbegebieten und ähnliche Vorhaben. Für die Zivilgesellschaft vor Ort sind diese Prozesse trotzdem wichtig, denn es handelt sich oft um kommunale Vorhaben, die auf eine direkte lokale Wirkung abzielen.

Die Bundessäule der Förderung hat demgegenüber einen Fokus auf Großprojekte mit überregionaler Bedeutung, vor allem in den Bereichen Wissenschaft, Verkehr und öffentliche Einrichtungen. Darüber hinaus gibt es hier Förderprogramme, die nicht-investive Vernetzungs- und Beteiligungsprojekte ermöglichen. Für zivilgesellschaftliche Organisationen, die selbst größere Vorhaben im Strukturwandel umsetzen wollen, gibt es hier oft die besten Anknüpfungspunkte.

In jedem dieser Bereiche zeigt sich: Der Strukturwandel berührt vielfältige Lebensbereiche, von der Arbeit über die Mobilität bis zum sozialen Miteinander. Dieses weite Feld kann es manchmal erschweren, eine klare Vision hinter dem Begriff „Strukturwandel“ zu erkennen. Wir denken jedoch: Nur mit dieser Vielfalt kann eine zukunftsfähige Entwicklung der Region gelingen.

Das heißt nicht, dass die Förderung beliebig werden darf. Es braucht bei jedem Projekt einen klaren „Wandel-Gedanken“, der die nachhaltige Entwicklung stärkt. Hier fehlt es aus unserer Sicht bislang an ausreichender Konsequenz. Nachhaltigkeit erscheint oft eher als optionales Kriterium statt als zentrale Vorgabe der Projektbewertung. Es gilt also nachzusteuern, und zwar am besten durch die Mitgestaltung vielfältiger gesellschaftlicher Gruppen.

Echte Beteiligung und die Aktivierung größerer Teile der Öffentlichkeit sind bislang nämlich weitgehend ausgeblieben. Die Abläufe in den Ländern sind stark formalisiert, Beteiligungsprozesse sind, wo vorhanden, größtenteils abstrakt-beratend. Wir schauen uns in dieser Einführung deswegen auch gezielt an, welche Möglichkeiten für Projektförderung und Engagement es für die Zivilgesellschaft im Strukturwandel trotzdem gibt.

Quellen

Das Projekt „ZusammenWachsen – Engagiert im Revier“ wird gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie im Rahmen der Richtlinie “STARK – Stärkung der Transformationsdynamik und Aufbruch in den Revieren und an den Kohlekraftwerkstandorten”.