Fördermöglichkeiten für die Zivilgesellschaft
Welche Möglichkeiten es für Vereine und Initiativen gibt, im Strukturwandel eigene Projekte umzusetzen
Wir haben gesehen, dass zivilgesellschaftliche Beteiligung im Strukturwandel oft nur schwach verankert ist. Umso mehr gilt es, die Möglichkeiten zu nutzen, die da sind.
Wir gehen an dieser Stelle auf ausgewählte Fördermöglichkeiten ein, um eigene kleine und große Projekte umzusetzen. Um Möglichkeiten, sich direkt in Strukturwandel-Prozesse einzubringen, geht es auf der Seite „Aktiv werden im Strukturwandel“.
Wettbewerbe und Förderprogramme
Für kleinere Projekte in Sachsen-Anhalt: REVIERPIONIER
Initiiert von der Stabsstelle Strukturwandel und umgesetzt von der Europäischen Metropolregion Mitteldeutschland wurde in Sachsen-Anhalt der Wettbewerb REVIERPIONIER ins Leben gerufen. Er wird über das Förderprogramm STARK finanziert. Jährlich werden Preisgelder von jeweils einigen Tausend Euro an zahlreiche Initiativen ausgeschüttet.
REVIERPIONIER legt einen ausdrücklichen Fokus auf Beteiligung und Nachhaltigkeit. Unter anderem Vereine, Schulen, Initiativen, aber auch Einzelpersonen können teilnehmen. Ihre Projekte sollen vor Ort auf eine nachhaltige, klimafreundliche und gemeinschaftliche Entwicklung einzahlen. Dabei gibt es drei Kategorien: REVIERGESTALTEN für gemeinwohlorientierte Projekte zur Förderung der Lebensqualität und des zivilgesellschaftlichen Engagements, ZUKUNFTGESTALTEN für Initiativen von und für Kinder und Jugendliche und GRÜNDERGESTALTEN für nachhaltige regionale Start-up-Ideen.
Als Bündnis StrukturWandeln sehen wir hier einen gelungenen Ansatz, um Strukturwandel-Mittel niedrigschwellig für die lokale Zivilgesellschaft verfügbar zu machen. Der Fokus auf Nachhaltigkeit ist klar und der Wettbewerb trotzdem anschlussfähig für eine breite Vielfalt von Projekten. Wie groß der Bedarf an solchen Angeboten ist, sieht man an der Nachfrage, die der Wettbewerb erfährt; die Konkurrenz um die begrenzten Mittel ist heute schon erheblich. REVIERPIONIER ist also sicherlich kein Allheilmittel für die fehlende strukturelle Berücksichtigung der Zivilgesellschaft im Strukturwandel. Für Initiativen, denen überschaubare Mittel für ihr Vorhaben fehlen, ist der Wettbewerb aber eine lohnenswerte Option.
Zur REVIERPIONIER-Website:
https://strukturwandel.sachsen-anhalt.de/zukunft-mitgestalten/revierpionier
Für kleinere Projekte in Sachsen: simul+Kreativ
In Sachsen gibt es kein direktes Äquivalent zu REVIERPIONIER im Sinne einer Förderung kleiner zivilgesellschaftlicher Projekte aus Strukturwandel-Mitteln. Eine gewisse Entsprechung bietet jedoch der Wettbewerb simul+Kreativ. Dieser landesweite Mitmachwettbewerb des Freistaates Sachsen zeichnet kreative, praxistaugliche und gemeinwohlorientierte Projektideen für lebendige ländliche Regionen aus. Gefördert werden Vorhaben, die regionale Wertschöpfung stärken, neue Formen des Zusammenlebens und Arbeitens ermöglichen oder innovative Ansätze für Grundversorgung und Mobilität entwickeln. Dabei werden zahlreiche kleinere Projekte und einige größere Kooperationsvorhaben ausgezeichnet.
simul+Kreativ ist keine Strukturwandel-Förderung im engeren Sinne, sondern wird aus dem regulären sächsischen Haushalt finanziert. 2025 gab es keinen Aufruf, der Wettbewerb ist aber im Haushalt 2025/26 enthalten, sodass auf eine Fortsetzung gehofft werden kann. Auch wenn sich simul+Kreativ nicht speziell an die Kohleregionen richtet, ist der Wettbewerb für viele Themen des zivilgesellschaftlichen Engagements im Strukturwandel anschlussfähig. Deshalb nehmen wir ihn hier auf.
Zur simul+Kreativ-Website:
https://www.simulplus-wettbewerb.de/de/
Für kleinere Projekte in Sachsen: eku ZUKUNFTSPREIS
Wer in Sachsen ein Projekt mit einem klaren Fokus auf (ökologische) Nachhaltigkeit umsetzen möchte, wurde in den letzten Jahren beim eku ZUKUNFTSPREIS fündig. Der Wettbewerb prämiert kleinere bis mittelgroße Projekte, die einen praktischen Beitrag zu Energieeinsparung, Klima-, Umwelt- und Naturschutz sowie nachhaltiger Entwicklung leisten. Ausgezeichnet werden sowohl innovative Ideen in einer frühen Phase („eku idee“) als auch bereits erprobte Vorhaben („eku erfolg“). Der Preis richtet sich an breite Zielgruppen von Vereinen, Kommunen und Bildungseinrichtungen über Unternehmen bis zu Initiativen und Privatpersonen.
Auch der eku Zukunftspreis ist keine explizite Strukturwandel-Förderung, sondern wird über den regulären sächsischen Haushalt finanziert. 2025 fand nach dem Koalitionswechsel zunächst keine Ausschreibung statt, der Wettbewerb ist jedoch wieder im Haushaltsplan enthalten, sodass auf eine Fortsetzung in den nächsten Jahren gehofft werden kann.
Informationen zum eku Zukunftspreis 2024 (eine aktuelle Wettbewerbs-Website gibt es derzeit nicht): https://www.medienservice.sachsen.de/medien/news/1082071I
Für größere Projekte in Sachsen-Anhalt: KoMoNa
Auf das Programm KoMoNa gehen wir auch auf unserer Seite zu den Strukturwandel-Förderprogrammen des Bundes ein, deswegen halten wir es hier kurz: Wer ein Projekt mit klarem ökologischem Fokus plant, sollte sich die Richtlinie genauer anschauen. Besonders gut kann es gelingen, wenn das Projekt eng in den kommunalen Kontext eingebunden ist – vielleicht ist die Kommune sogar als Projektpartner mit im Boot. Partnerschaften lohnen sich in jedem Fall, denn der administrative Aufwand und die Eigenmittel können für zivilgesellschaftliche Organisationen eine zentrale Hürde sein.
Die Förderung ist im Mitteldeutschen Revier aktuell nur für Projekte in Sachsen-Anhalt möglich. Aus sächsischer Perspektive lohnt es sich, die zukünftige Entwicklung im Blick zu behalten.
Zur KoMoNa-Website:
https://www.z-u-g.org/komona/
Für größere Projekte im ganzen Revier: STARK
Auch das Programm STARK stellen wir auf der Seite zu den Strukturwandel-Förderprogrammen des Bundes vor, sodass wir uns hier auf einige Hinweise zum Förderverfahren beschränken. Für eine Bewerbung in STARK ist die Zuordnung zu mindestens einer von zwölf Förderkategorien entscheidend. Für zivilgesellschaftliche Organisationen halten wir besonders die Kategorien Vernetzung, Beratung sowie „Gemeinsinn und gemeinsames Zukunftsverständnis“ für interessant. Ein Projekt kann auch mehreren Kategorien zugeordnet sein.
In der Praxis ist für STARK unserer Einschätzung nach wichtig, dass die Organisation bereits über einen gewissen Grad an hauptamtlicher Struktur verfügt. Der Antragsprozess verlangt einigen Aufwand und mitunter einen langen Atem. Außerdem muss vor Beginn des Projekts ein Eigenmittelanteil von 10 % für die gesamte Projektlaufzeit nachgewiesen werden, was für kleinere Organisationen eine erhebliche Hürde darstellen kann.
Auch wir als Bündnis StrukturWandeln werden, wie erwähnt, aktuell über STARK gefördert. Der Weg, bis unser Netzwerk an diesem Punkt war, war durchaus ein langer – gerne sind wir zu unseren Erfahrungen ansprechbar.
Zusammengefasst
Für kleine Projekte wurde in Sachsen-Anhalt mit dem Wettbewerb REVIERPIONIER eine Möglichkeit geschaffen, zivilgesellschaftliche Akteur:innen niedrigschwellig am Strukturwandel teilhaben zu lassen. In Sachsen gibt es kein direktes Äquivalent, aber ähnliche Angebote außerhalb der Strukturwandel-Förderung.
Überall gilt jedoch: Die Mittel sind begrenzt und die Konkurrenz darum ist groß. Im Verhältnis zu den Milliardenbeträgen, die sonst im Strukturwandel bewegt werden, sind die Budgets verschwindend gering: REVIERPIONIER etwa hat jährlich eine Million Euro für Preisgelder zur Verfügung.

Als Bündnis StrukturWandeln denken wir: Es ist gut, dass es diese Formate gibt, denn sie liefern wichtige Impulse und machen Engagement sichtbar. Ihre Verstetigung und ihr Ausbau sind äußerst wünschenswert. Engagierte mit guten Ideen für kleine Projekte ermuntern wir zur Bewerbung. Gleichzeitig gilt: Diese „Brotkrumen“ – gemessen am Gesamtvolumen des Strukturwandels – können nicht ausreichen, die engagierte Zivilgesellschaft zufriedenzustellen.
Für umfangreichere Vorhaben der Zivilgesellschaft sind Programme wie STARK und KoMoNa wichtige Bausteine des Strukturwandels, wobei mit dem Projektvolumen natürlich auch die formalen und finanziellen Hürden steigen. Auch hier zeigen sich allerdings schon die Grenzen der verfügbaren Mittel: In Sachsen ist aktuell keine Antragstellung bei KoMoNa mehr möglich und auch bei STARK konzentriert sich die zuständige Stelle des Landes derzeit auf die „Stärkung und Ergänzung bereits ausgewählter Projekte“.[1] Angesichts der starken Konkurrenz um begrenzte Mittel halten wir es für entscheidend, in diesen Programmen eine angemessene Berücksichtigung zivilgesellschaftlicher Projekte sicherzustellen.
Alternative Förderungen
Wir haben hier auf einige Förderprogramme aufmerksam gemacht, die über Strukturwandelmittel finanziert werden oder in einem engen inhaltlichen Zusammenhang damit stehen. Natürlich gibt es jenseits der „Kohlemilliarden“ viele weitere Möglichkeiten, Projekte zu finanzieren – zum Beispiel die LEADER-Förderung[2] oder die Programme der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt.
Diese können wir hier nicht alle aufführen, listen aber auf der Seite „Links und Hinweise“ einige Tipps für die weitere Suche auf. Außerdem ermuntern wir alle Engagierten, auf uns als Bündnis StrukturWandeln zuzukommen: Mit unseren Partnerorganisationen aus verschiedenen Fachbereichen beraten wir gerne mit Tipps und Erfahrungen und helfen bei der Lösungsfindung.
Weiterlesen: Wie funktioniert der Strukturwandel?
- Der Kohleausstieg in Deutschland
- Die Kohleregionen
- Strukturwandel-Förderung im Überblick
- Strukturwandel in Sachsen und Sachsen-Anhalt
- Vor Ort in den Landkreisen
- Großprojekte: Forschung, Verkehr und Behörden
- Förderprogramme des Bundes
- Fördermöglichkeiten für die Zivilgesellschaft
- Aktiv werden im Strukturwandel
- Links und Hinweise
Quellen
[1] Informationen des Freistaates Sachsen zur Umsetzung von STARK: https://www.strukturentwicklung.sachsen.de/bundesfoerderung-stark-4097.html
[2] LEADER-Förderung in den Bundesländern:
- Sachsen: https://www.laendlicher-raum.sachsen.de/leader-2021-2027-11098.html
- Sachsen-Anhalt: https://leader.sachsen-anhalt.de/
[3] Website der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt:

Das Projekt „ZusammenWachsen – Engagiert im Revier“ wird gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie im Rahmen der Richtlinie “STARK – Stärkung der Transformationsdynamik und Aufbruch in den Revieren und an den Kohlekraftwerkstandorten”.

