Rückblick:
Strukturwandel-Stammtisch „Transformation der Arbeit“ am 11.08.2025
Strukturwandel-Stammtisch für das Mitteldeutsche Revier

Montag,11.08.2025
17:00 – 18:30 Uhr
Online
(via Zoom)
Zum Auftakt des Strukturwandelstammtisches zog Dr. Hilmar Preuss vom Projekt Revierwende Zwischenbilanz. Angetreten ist das Projekt des DGB 2021 mit dem Ziel, den Wandel mit dem Ausstieg aus der Kohle sozial gerecht zu gestalten, Betriebsräte zu stärken und den Beschäftigten eine Bühne zu geben. Neue Industriearbeitsplätze sollen entstehen, bevor die alten verschwinden.
Wirkung vieler Vorhaben noch gar nicht absehbar
Preuss stellte fest, dass einiges im Mitteldeutschen Revier angeschoben ist, u.a. in der Wasserstoffentwicklung, manche Vorhaben allerdings abgesagt wurden und die Perspektive für die Kraftwerksstandorte unklar ist. Gute Projekte mit Langzeitcharakter sind auf dem Weg, deren Wirkung jedoch heute noch nicht sichtbar ist.
Tarifbindung zu erreichen und Mitarbeitende zu organisieren ist ein schwieriges Thema, erläuterte Preuss. Eine Mitbestimmungskultur macht Revierwende eher in größeren Unternehmen im Mitteldeutschen Revier aus. Bei kleinen Unternehmen bleiben Tarifbindung und Mitbestimmung schwierig, was wiederum auf die Attraktivität der dortigen Arbeitsplätze zurückwirkt. Auch bei der Teilhabe von Menschen mit besonderem Förderbedarf sei noch viel Luft nach oben, so Preuss. Die Stimmung in den Belegschaften hängt wesentlich von der Größe der Unternehmen ab. Bisher werden die Sozialpartner in die Entscheidung über die Verwendung der Gelder nicht einbezogen.
Interdisziplinäre Teams stellen sich den Herausforderungen der Zukunft
Der Forum Rathenau e.V., für den Dr. Kerstin Schmidt dabei war, will Diskurse für übermorgen und transdisziplinäres Denken anstoßen. Ausgangspunkt der Arbeit war eine umfangreiche Kohlenstoffbasisstudie, die für Mitteldeutschland untersucht, welche Branchen und Wertschöpfungsketten durch die Transformation wie betroffen sind und Entwicklungspotentiale auslotet. Mit Mut zum Wandel wollen die Mitglieder des Vereins die Transformationsschritte aus der postfossilen Gesellschaft begleiten.
Wie diese Begleitung aussehen kann, erläuterte Kerstin Schmidt mit dem Programm „Create New Chemistry“, das das Ziel hat, industrielle Herausforderungen in der Region in neue Geschäftsmodelle zu überführen. Dazu bringt das Forum Rathenau interdisziplinäre Teams zusammen, die sehr konkret an Aufgabenstellungen der Industrie arbeiten und Lösungen suchen. Um auch Jugendliche bei der Transformation mitzunehmen, ihre Zukunftskompetenzen zu stärken und sie in der Region zu halten, lädt das Forum Rathenau sie gemeinsam mit Unternehmen zu praxisnahen Formaten wie der ExperimentierWerkstatt oder dem AzubiZukunftsgipfel. Das kreative und experimentelle Lernen für die Zukunft stieß auf viel positive Resonanz bei den Jugendlichen, so Schmidt.
Neue Wege bei Qualifizierung und Berufsorientierung
Abschließend berichtete Pia Castell von der Metropolregion: Obwohl Fachkräftesicherung und -qualifizierung für einen erfolgreichen Strukturwandel zentral sind, spielt beides beim Förderprogramm „Unternehmen Revier“ nur eine untergeordnete Rolle. Das Förderprogramm richtet sich an KMU und Start-ups und zielt auf Innovation, die oft mit reinen Qualifizierungsmaßnahmen unvereinbar ist. Castell hatte zwei Projekte von den bisher 73 Projektförderungen mitgebracht, bei denen (Weiter)bildung und Innovation zusammentreffen. Eines richtet sich speziell an Frauen in der IT-Branche und trainiert diese unter Einsatz von KI im geschützten Raum für Führungspositionen. Das zweite Projekt arbeitet an einer Webplattform, die neue Wege geht, um Zukunftsbranchen vorzustellen und das Matching bei grünen Berufen insbesondere in Bezug auf die GenZ zu verbessern.
In der abschließenden Diskussion stand die Frage nach der Stimmung in den Betrieben im Fokus. Dort wird viel Bewegung wahrgenommen, die Stimmung ist ambivalent und entsteht aus dem, was in die Belegschaften hingegeben wird. Extrem rechte Positionen treten eher über Einzelpersonen in Erscheinung, sind für die Betriebsräte vor Ort aber sehr problematisch. Trotz der guten Beispiele ist die große Frage noch offen, ob alles eher auf eine Handvoll Pilotprojekte hinausläuft oder, ob es flächendeckend gelingt, den Strukturwandel mit den Beschäftigten zu gestalten und die Qualität der Arbeitsplätze auch jenseits der Forschung zu sichern.

Diese Veranstaltung ist Teil der Veranstaltungsreihe „Strukturwandel-Stammtisch“ im Projekt „ZusammenWachsen – Engagiert im Revier“.

