Rückblick:
Strukturwandel-Stammtisch „Revieraustausch“ am 03.11.2025

Strukturwandel-Stammtisch für das Mitteldeutsche Revier

Montag,03.11.2025
17:00 – 18:30 Uhr

Online
(via Zoom)




Im Mittelpunkt unseres letzten Stammtisches in 2025 stand der Blick in die anderen Reviere und der Austausch – wie ist aktuell die Stimmung dort im Strukturwandel, wie wird er wahrgenommen, welche Themen sind gerade aktuell, welche Erfahrungen werden mit Bürgerbeteiligung gemacht.

Strukturwandel ist kein Selbstläufer

Cora Kahn vom Wertewandel e.V. in der Lausitz https://buergerregion-lausitz.de/knotenpunkte/wertewandel-e-v/ zeigte uns die doch schon lange Geschichte der Bürgerregion Lausitz von den Anfängen 2013 bis heute. Kernaufgaben an den 4 Standorten mit einem großen Netzwerk sind Beratungen, Veranstaltungen vor Ort, Projektbegleitung und Netzwerkaufbau.

Wichtig ist das Schaffen von Orten der Vermittlung und Unterstützung, Räume für Beteiligung, Koordination, Menschen zuhören und sie begleiten. Und Vertrauen aufbauen. Dafür sind Aktivitäten wie Erzählcafés, Sommerkino, Präsenz auf Märkten und Stadtfesten, Kooperationen mit Museen, und Heimatvereinen Formate, die sich bewährt haben. Auch mit der Verwaltung “nach oben“ (Wirtschaftsregion Lausitz und dem Lausitz-Beauftragten) ist die Zusammenarbeit recht eng, wenn auch die Interessen manchmal unterschiedlich sind.

Strukturwandel ist kein Selbstläufer und kann nicht offensiv kommuniziert werden. Über Bürgerbeteiligung und Engagement, Gremienarbeit, Teilhabe, Infoveranstaltungen zu Strukturwandelprojekten – also etwas über die Hintertüre können wir eher auf die Menschen zugehen mit dem Strukturwandel.

Wichtiger Termin zum Vormerken: 19. Juni 2026 Revieraustausch um Lauchhammer herum

Lösungen für die Zwischennutzung der Tagebaue bis zur Flutung

Linus Platzer vom NABU Nordrhein-Westfalen https://nrw.nabu.de/ schwenkte den Blick auf das Rheinische Revier, das aus dem Süd-, dem Nord, dem West- und dem Mittelrevier besteht. Im Fokus stehen im Rheinland ökologische Aspekte, aktuell das Grundlagenkonzept Biotopverbund Rheinisches Revier zur Stärkung der Biodiversität. Das Konzept und seine ausgearbeiteten Details zeigen Lösungen für die Zwischennutzung der Tagebaue bis zur Flutung und die Zeit nach 2030 auf. Angestrebt wird die Schaffung von Biotopen auf 30% der zukünftigen Seen- und Uferbereiche. Dazu besteht zum jetzigen Zeitpunkt eine große Chance. Erschwernis bei der Umsetzung des Konzeptes ist das Fehlen einer Landestiftung, der die ausgewiesenen Flächen übertragen werden.

Zu den regelmäßigen Aktivitäten des NABU gehören die RevierDialoge seit 2022, gemeinsame Konferenzen mit dem Netzwerk Revier WIRd Region zu Beteiligung, nachhaltige Raumentwicklung und SDG’s.

Der Strukturwandel im Rheinischen Revier ist präsent, es werden aber zu wenig Leute erreicht, manche fühlen sich nicht angesprochen. Das Gefühl der Mitgestaltung nimmt vom Zentrum der Region hin zum Rand ab.

Aufbau von Erzählorten für die Menschen

Manfred Körber von der Bildungsstätte Nell-Breuning-Haus https://nbh.de/ berichtete aus dem Nordrevier.

Der Arbeits-Fokus der Bildungseinrichtung für politische Bildung liegt auf dem Aufbau einer Demokratie-Werkstatt mit Beteiligungs- und Vernetzungstreffen und dem Entwickeln eines Jahresprogramms. Unter dem Projekt “5 Dörfer bleiben stehen“ entstehet das Café No. 5 – es ist für Wandervereine, Umweltaktivist:innen, Radtouren, Seminare von Hochschulen ein Ort der Begegnung. Jugendbeteiligungsprojekte in einem alten Bauernhof sollen in die Bevölkerung hineinwirken.

Auch hier fehlt ein Dach über den einzelnen Projekten, eine professionelle Vernetzungsstruktur. Wichtig wäre dafür eine Finanzierung aus Stiftungsmitteln z.B. im Umweltbereich oder der politischen Bildung. STARK-Mittel sind nicht abrufbar, da besteht eine generelle Blockade. Dies hat u.a. mit den über Jahrzehnten tief verankerten Kohleprotesten zu tun, die ein Misstrauen in der Förderlandschaft hervorgerufen haben. Zu dieser inakzeptablen Situation kommt auch das Fehlen der Debatte über die einseitige Gewichtung wirtschaftlicher Interessen und das Fehlen der Umsetzung von Beteiligungskonzepten auf Landesebene und in den Regionen. Auch die Frage, ob es noch eine große Vision einer ökologischen Landschaft geben wird, ist durch unterschiedliche kommunale Vorreiter, wirtschaftliche Interessen (Standortvorteile) und Marketingstrategien mehr als offen. Grundsätzlich fehlt die Vorstellung des Einheitlichen, egal auf welcher Ebene. Wie erreichen wir die Menschen? Die Umweltverbände waren lange Zeit mit Mobilisierung beschäftigt und hätten früher auf den Strukturwandel hinarbeiten müssen – in den Projekten ist diese Fokussierung noch nicht ausreichend bewusst. Wichtig ist der Aufbau von Erzählorten für die Bevölkerung.

Strukturwandel sicht- und hörbar machen

Zum Abschluss berichtete Stephan De Bona vom Bündnis StrukturWandeln über die Erfahrungen der Mitmachtour 2025 – siehe dazu Näheres unter https://struktur-wandeln.de/mitmachtour-2025/. Ähnlich wie in der Lausitz ist das direkte Konfrontieren der Standbesuchenden mit dem Thema Strukturwandel nicht sehr von Erfolg gekrönt. Strukturwandel ist irgendwie da, es wird davon gesprochen, aber nicht konkret greifbar. Manche stehen dem Thema ablehnend gegenüber oder sind nicht informiert, andere sind gleich in verschiedenen Initiativen, Organisationen aktiv. Die großen Unterschiede manifestieren sich auch an der Beteiligung.

In den Interviews, die wir mit Audiotechnik aufgenommen haben, wird Strukturwandel sicht- und hörbarer. Durch konkrete Fragestellungen haben uns die Interviewpartner:innen einen Querschnitt durchs Revier ermöglicht über die Themen, die sie direkt betreffen und beschäftigen. Die zu Themen geschnittenen Stimmen aus dem Revier können auf der Internetseite des Bündnisses angehört werden. https://struktur-wandeln.de/mitmachtour-2025/

Logo der Strukturwandel-Werkstatt

Diese Veranstaltung ist Teil der Veranstaltungsreihe „Strukturwandel-Stammtisch“ im Projekt ZusammenWachsen – Engagiert im Revier“.

Das Projekt „ZusammenWachsen – Engagiert im Revier“ wird gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz im Rahmen der Richtlinie “STARK – Stärkung der Transformationsdynamik und Aufbruch in den Revieren und an den Kohlekraftwerkstandorten”.