Naturschutz im Strukturwandel
Strukturwandel-Stammtisch für das Mitteldeutsche Revier

Montag, 13.07.2026
17:00 – 18:30 Uhr
Online
via Zoom
Das Thema „Naturschutz im Strukturwandel“ ist ein weites Feld, von dem wir in unserem Online-Stammtisch nur Ausschnitte beleuchten konnten. Gerne hätten wir Verantwortliche aus Behörden und Strukturwandel-Gesellschaften dazu gehört, leider bekamen wir nur Absagen.
Am Ende geht es immer ums Wasser
Stattdessen freuten wir uns über den Input von Ralf Meyer vom BUND Sachsen-Anhalt zur Goitzsche-Wildnis an der Mulde. Die Menschen wollten an der Stelle des ehemaligen Großtagebaus Leopold einen Badesee – 2002 kam die Jahrhundertflut und in 36 Stunden wurde der Tagebau geschwemmt. Durch das zweite Hochwasser 2013 entstanden Flüsse und neue Seen. Jenseits der Badeseen sollte wieder Wildnis entstehen. Mit Hilfe von Spenden wurden 1300ha Land gekauft, das jetzt mehreren Seen, Wäldern und offene Landschaften Raum bietet.
Ein weiterer Input kam von Dr. Maria Vlaic vom NABU Landesverband Sachsen e.V. zum Thema Habitatsveränderung und Wasserhaushalt in den ehemaligen Tagebauen. Diese schluckten Landschaften (Hecken, Gewässer, Forst- und Siedlungsflächen, Auen) und mittlerweile sind an dieser Stelle große Stillgewässer entstanden. Grundwasser sei ein großes Thema und müsse bei dem Ausstieg aus der Kohle mitgedacht werden. „Naturschutz braucht Akzeptanz (…) aber wir müssen sozusagen die Balance schaffen und müssen in aller erste Linie die Landschaft und Systemleistung im Blick haben.“
Den Abschluss machten Bernd Müller und Mitstreitende der Bürgerbewegung „Pro Südharz – Gegen Gipsabbau – Für Naturschutz“, die von ihrem Einsatz gegen den Gipsabbau und ihren Beweggründen dafür erzählten.
Naturschutz braucht Akzeptanz – und manchmal Kompromisse
In der anschließenden Diskussion ging es u.a. um das Thema „Wasser in der Fläche halten“: in NRW seien bspw. Neubauten nur zulässig, wenn das Wasser auf der Fläche bleibt, kein Anschluss an das Kanalsystem, in Sachsen-Anhalt sei das anders. In Sachsen wird Regenwasser aus der Kanalisation herausgehalten: Bsp. Schwammstadt in Leipzig, Dresden, Chemnitz. Dieses Zweikanalsystem gibt es in Sachsen-Anhalt schon, aber man kann hier auch noch Regenwasser in den Kanal lassen.
Frage: Konfrontation bei der Goitzsche mit Badetourismus? Gibt es schon, nur ein kleiner Teil des Sees ist dem Naturschutz gewidmet. Der größere Teil gehört der Blausee GmbH, mit normaler touristischer Entwicklung (haupts. Segeltourismus). Auf ausdrücklichen Wunsch der Bevölkerung nach einem Badesee wurde die Zusage und damit dieser Kompromiss gemacht, denn die Menschen mussten jahrzehntelang auf Naherholung und Natur verzichten. Verlust durch Bergbau: Ist der Erholungsraum einfach anders geworden? Die Definition von Erholung ist heute anders als zum Beginn des Bergbaus.
Die Veranstaltung fand in Kooperation mit Revierwende statt.

Diese Veranstaltung ist Teil der Veranstaltungsreihe „Strukturwandel-Stammtisch“ im Projekt „ZusammenWachsen – Engagiert im Revier“.

